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Stadtleben oder Dorf-Dasein?

Eine der zentralen Fragen, die jeden Menschen bewegen und beeinflussen, ist, ob er lieber auf dem Land oder in der Stadt leben sollte. Dabei ist diese Frage natürlich pauschal kaum zu beantworten. Vielmehr hängt die perfekte Lebensart vielmehr davon ab, welche Vorstellungen man davon hat, wie das perfekte Leben aussehen könnte – es handelt sich also vor allem um eine sehr individuelle Frage. Dennoch wollen wir hier den Versuch haben, die Vor- und Nachteile von Stadt und Land gegenüberzustellen und auf diese Weise Anhaltspunkte dafür zu geben, worüber man sich freuen kann und womit zu rechnen ist.

Wie sich die Lage deutschlandweit entwickelt

Nun, abgesehen von unseren eigenen Interessen ist doch wichtig, wie sich die Lage weltweit entwickelt. Bevorzugen die Menschen das Land- oder das Stadtleben? Erstmals in der Geschichte der Menschheit lebt heutzutage über die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Rund um den Globus versuchen die Leute, ihren Lebensmittelpunkt zu verlagern. Und dieser Trend wird aller Voraussicht nach auch weiterhin eine enorme Dynamik entfalten, gerade übrigens in den asiatischen und afrikanischen Ländern. Dort sind es übrigens weniger komfortbedingte Gründe als in Deutschland, die die Menschen in die Städte treiben. Vor allem hofft man dort auf eine bessere Zukunft durch eine bessere Arbeit, ganz ähnlich wie dies in der Industrialisierung in den Vereinigten Staaten und Europa auch der Fall gewesen ist. Leider sind allerdings dort die Folgen ganz ähnlich. Teils absurde Bedingungen, unter denen die Menschen leben müssen, ein hart umkämpfter und gnadenloser Arbeitsmarkt sowie immense Umweltverschmutzungen sind häufig.

In Deutschland hingegen hat die Urbanisierung strukturell andere Ursachen. Dort gibt es oft einen gewissen Coolness-Faktor, der die Menschen in die Stadt zieht, die oft während ihres Studiums dorthin wechseln, um das Leben in der Großstadt kennenzulernen. Daneben spielt natürlich das Versprechen eines bunteren Nachtlebens eine Rolle, die größere Verfügbarkeit von Waren übrigens ebenso. Dennoch sind die durchaus existenziellen Gründe, die in Asien und Afrika die wesentlichen Gründe liefern, für uns als Mitteleuropäer eher weniger die Motivation.

Das Stadtleben

Das Stadtleben hat ohne Frage seine Reize. Weltweit gibt es die unterschiedlichsten Städte mit ganz individuellen kulturellen Eigenheiten und dem zugehörigen Flair. Einige davon sind uns vor allem durch ihre charakteristische Silhouette bekannt. Eine beeindruckende Skyline mit spektakulären architektonischen Highlights gilt als Inbegriff der Großstadt. Auf einem der Hochhäuser zu entspannen, einen Kaffee zu trinken und die gleißenden Wolkenkratzer zu betrachten, während man in ihnen die Spiegelungen der untergehenden Sonne beobachten kann, ist ein einmaliges Erlebnis. Zudem verfügen die meisten mitteleuropäischen Großstädte über eine außerordentlich gute Infrastruktur, die es erlaubt, zu jeder Tag- und Nachtzeit von A nach B zu kommen. Selbstverständlich sind große Städte auch näher am Puls der Zeit und erleben die großen Trends in Echtzeit mit, während sie auf dem Land höchstens mit Verzögerung ankommen. So sind gerade Leute, die sich stark für Kleidung interessieren, in Metropolen auf der sicheren Seite, keine Entwicklung zu verpassen. Junge Designer sind ja nicht zwangsweise gleich auf großen Webseiten oder in Zeitschriften vertreten und somit nicht notwendigerweise überall gleich gut zu verfolgen. Das Gleiche gilt natürlich auch für kulturelle Erlebnisse: Während in bevölkerungsstarken Zentren praktisch jederzeit Musik, Theater, Oper und bildende Kunst zu erleben sind und die Kinos ein wesentlich ausdifferenzierteres Programm haben als die Filmpaläste auf dem Land, muss man als Dörfler meistens weit fahren, bis man die Lieblingsbands sehen kann.

Und damit nicht genug: Selbstverständlich warten in den Metropolen ganz andere Karrieremöglichkeiten auch auf Zugezogene – je nach Berufsfeld bieten sich Aufstiegschancen, an die in der Provinz nicht einmal zu denken ist. Gerade in Finanzzentren wie Frankfurt am Main sammeln sich Großkonzerne, die alleine tausende von Mitarbeitern beschäftigen und entsprechende Jobs anbieten können.

Allerdings haben Großstädte natürlich auch empfindliche Nachteile auf ihrer Seite. Dazu zählen zum Beispiel die immer stärker explodierenden Mietpreise, die bisweilen jeder Beschreibung spotten und in keiner Relation mehr zu der Leistung stehen, die sie bieten können. Bereits für winzige Apartments muss man Unsummen zahlen, wer es weniger kostenintensiv braucht, muss bereits in die Peripherie. Ein gutes Beispiel für diese perverse Praxis findet sich in New York City, wo viele New Yorker aufgrund der unbezahlbaren Mietpreise in das nahgelegene New Jersey umziehen und von dort aus täglich nach NYC pendeln.

Abgesehen von den Mietpreisen ist auch das Thema Sicherheit ein wichtiges Gebiet: Denn spätestens, seitdem die Terrorattacken auf die Städte der westlichen Welt zunehmen und sich nahezu monatlich irgendwo eine Katastrophe ereignet, fühlen sich viele Großstädter nicht mehr in ihren Viertel sicher – und schon gar nicht in den Zentren. Das hat aber nicht nur etwas mit der Terrorgefahr zu tun. Links- und rechtsextremistische Gewalt haben sich in den vergangenen Jahren verstärkt. Sie hat so weit zugenommen, dass sie einen absoluten Höchststand erreicht hat.

Das Thema Klimawandel hat für die Großstädte auch unseres Landes leider an Bedeutung zugenommen. Wegen der Feinstaubbelastungen wird vor Gerichten, etwa in Stuttgart und anderen deutschen Großstädten, über Fahrverbote behandelt.

Besonders für empfindliche Geister, die oft Ruhe brauchen, ist das Leben in der Großstadt allerdings nicht zu empfehlen – natürlich gibt es auch hier Oasen der Entspannung und Stille. Aber sie sind wesentlich seltener als auf dem Dorf, wo man logischer

Insgesamt also hat das Stadtleben eine Vielzahl von Licht- und Schattenseiten – es ist nur individuell abzuwägen, wie man sie gewichtet und wo die persönlichen Vorlieben liegen.


Leben auf dem Lande

Viele von den Aspekten, die wir bereits für das Dasein zwischen Hochhäusern betrachtet haben, finden auf dem Lande sozusagen ihre Umkehrung. Denn Sicherheitsaspekte gehören hier eher zu den geringeren Sorgen. Für Terrorristen ist ein Dorf kaum ein lohnendes Ziel – schließlich geht es ihnen in erster Linie darum, möglichst viele Menschen auf einem möglichst kleinen Platz zu versammeln. Das ist auf dem Land höchstens mal bei einer Kirmes der Fall und daher eher unwahrscheinlich. Unwahrscheinlich ist es allerdings auch, dass man von Trends allzu viel mitbekommt. Höchstens hat man das Glück, über eine schnelle Internetleitung zu verfügen und sich so auf dem neuesten Stand halten zu können.

Die Menschen, die in einem Dorf leben, sind traditionell viel enger miteinander verknüpft, als dies in Städten der Fall ist, wo Anonymität viel stärker verbreitet ist. In einem Dorf mit ein paar hundert oder tausend Einwohnern weiß man relativ schnell, wer der neue Nachbar ist, was er so tut und so weiter. Das hat einerseits den Vorteil, dass man sich in eine bestehende Gemeinschaft integrieren kann, andererseits kann diese aber auch schnell zu eng werden und auf diese Weise nerven. Übrigens ist es keine Selbstverständlichkeit, dass man gleich Anschluss findet. Denn mitunter können Dorfbewohner misstrauisch oder verschlossen sein – allerdings sind hier keine Pauschalaussagen zu treffen, es gibt auch sehr offenherzige und aufgeschlossene Dörfer, bei denen man sich super integrieren kann.

Was die Mieten angeht, so ist das Leben auf dem Dorfe natürlich auch günstiger – wir reden hier nicht von den Speckgürteln rund um Metropolen wie zum Beispiel bei Frankfurt am Main! Gerade, wer ein Eigenheim und eine Familie plant, ist also auf dem Lande wesentlich besser beraten als in der Stadt, zumal das Bauen hier sowohl von der Lage als auch von der Finanzierbarkeit realistischer ist.

Im Übrigen verfügen viele Dörfer über eigene Kindergärten, sodass das behütete Aufwachsen erheblich leichter ist als in der Stadt. Eine umfangreiche Schulstruktur gibt es allerdings auf dem Lande nicht, sodass ein Ausweichen in eine kleinere oder mittelgroße Stadt meistens nötig wird. Dabei kommen dann oft recht lange Anfahrtswege ins Spiel.

Und natürlich ist zuletzt der Zugriff auf Waren aller Art bei Weitem nicht so leicht wie in der Stadt. Dafür hat man mehr Freiräume und mehr Natur um sich herum.

Fazit

Schlussendlich muss man also festhalten, dass Stadt- und Landleben beide so ihre Vorzüge haben, doch entsprechend jeweils nicht zu vernachlässigende Schattenseiten besitzen. In diesem Zuge sei also nochmals darauf hingewiesen, dass die eigene Persönlichkeit vorgibt, welche Lebensart besser zur eigenen Persönlichkeit passt. Dabei spielen nicht nur zahlreiche Faktoren persönlicher und struktureller Art eine Rolle, sondern auch die Frage, welche Zukunftsplanung man hat, mit wie viel Geld man leben möchte und auf was man am liebsten verzichten will, um glücklich zu leben. Zufriedenheit ist darüber hinaus eine persönliche Definitionssache.