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Energieeffizientes Wohnen kostengünstig umsetzen -
Unsere Tipps

Laut dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) entfallen derzeit etwa 40 Prozent des Endenergieverbrauchs und circa 15 Prozent der direkten Treibhausgasemissionen auf den Gebäudebereich.

Knapp 90 Prozent des Energieverbrauchs privater Haushalte werden für Heizung und Warmwasser verwendet, wobei die Raumwärme davon etwa drei Viertel ausmacht. In der Schweiz sieht es nicht viel anders aus. Eine umfassende energetische Gebäudesanierung ist für viele private Haus- und Wohnungseigentümer allerdings oft zu teuer, von den Möglichkeiten der Mieter ganz zu schweigen. Doch mit ein paar Tricks und Kniffs lässt sich energieeffizientes Wohnen auch ohne großen Aufwand und riesige Investitionen umsetzen. Wie das geht, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

1. Verbrauch analysieren

Der Stromverbrauch macht etwas mehr als ein Drittel der gesamten Energiekosten eines privaten Haushaltes aus. Wer Strom und damit Geld einsparen will, der sollte zuerst den Verbrauch einzelner Geräte analysieren. Dafür schaltet man einen Strommesser zwischen die Steckdosen und die daran angeschlossenen Haushaltsgeräte. Während klassische Strommesser die Energie lediglich in der Einheit Kilowattstunde (kWh) messen, können moderne Energiekosten-Messgeräte den Verbrauch direkt in Euro umrechnen. Der Einstiegspreis für Energiekosten-Messgeräte liegt in Fach- und Baumärkten bei ca. 15 Euro.

Natürlich messen die Geräte auch den Stromverbrauch im Standby-Modus. Wer also alle Haushaltsgeräte nacheinander auf ihren tatsächlichen Stromverbrauch analysiert hat, der vergleicht anschließend die erhobenen Werte mit Durchschnitts- und Bestwerten und erfährt so das jeweilige Einsparpotential. Ob der Stromverbrauch zu hoch ist, zeigt auch der Blick in den Stromspiegel für Deutschland 2017. Auf dieser Grundlage kann man dann entscheiden, welches Haushaltsgerät besser gegen einen energieeffizienteren Ersatz ausgetauscht werden sollte und ausrechnen, wie lange es etwa dauern würde, bis sich das neue Gerät amortisiert. Übrigens: Echte Sparfüchse leihen sich ein Energiekosten-Messgerät bei der Verbraucherzentrale, Klimaschutzagentur oder einem Energieversorger in der Nähe aus.

2. Bye bye Standbye

Die Energiekosten-Messung zeigt auch, wie hoch der Stromverbrauch der Haushaltsgeräte im Standby-Modus ist. Um diesen Verbrauch einzusparen, sollte man an die Haushaltsgeräte einen Zwischenschalter anschließen und umlegen, sobald man diese nicht mehr weiter nutzt. Noch günstiger, genauso effektiv: einfach mal den Stecker ziehen!

3. Augen auf beim Gerätekauf

Wer ein neues TV-Gerät, einen neuen Staubsauger oder eine neue Spülmaschine braucht, der sollte nicht den Fehler machen, billig mit günstig zu verwechseln. Denn ein niedriger Anschaffungspreis kann mit der Zeit durch den höheren Verbrauch zunichtegemacht werden. Umgekehrt können auch teure Geräte echte Energiefresser sein. Orientierung erhält man jedoch durch die EU-Energieverbrauchskennzeichnung, besser bekannt als EU-Energiesiegel.
Die darauf befindliche Farbskala reicht von Dunkelgrün (Sehr gut) bis Rot (sehr schlecht) und führt dem Verbraucher die Energieeffizienzklasse des Gerätes vor Augen. In einigen Produktgruppen befindet sich neben der Skala auch die Angabe des Jahresenergieverbrauchs in Kilowattstunden. Sind mehrere Geräte in der engeren Auswahl, kann dieser Wert das Zünglein an der Waage sein, denn augenscheinlich kleine Unterschiede beim Verbrauch summieren sich im Laufe der Jahre zu erheblichen Mehrkosten.

4. Umstieg auf LEDs

LEDs verbrauchen deutlich weniger Strom und haben auch eine längere Lebensdauer als herkömmliche Glühbirnen und Energiesparlampen. Zudem brauchen Energiesparlampen deutlich länger bis sie ihre volle Leuchtkraft entfalten. Mit LEDs lässt sich außerdem die Raumatmosphäre variieren, denn es gibt sie in verschiedenen Farbtemperaturen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. hat das sogenannte Lampenkärtchen entwickelt, dass den Verbrauchern für jeden Zweck die optimalen LEDs vor Augen führt. Wer also alte gegen neue Leuchtmittel eintauscht oder zumindest bei jedem Kauf einer neuen Lampe auf LEDs zurückgreift, der spart Strom und Geld.

5. Fenster clever isolieren

Ein großer Teil der Energie wird wortwörtlich aus dem Fenster geschmissen, denn schlecht isolierte Fenster geben viel Wärme nach draußen ab. Mit dem Austausch gegen moderne Fenster lässt sich bis zu 50 Prozent der Wärmeenergie einsparen, doch die energetische Sanierung ist teuer und aufwendig in der Durchführung.

Eine günstige und schnelle Alternative ist das Anbringen von Isolierfolie, vor allem bei Altbauten mit Einfachverglasung, bei Doppelverglasung ist der Effekt geringer. Die transparenten Folien werden mit Hilfe eines Föns auf die Innenseiten der Glasscheiben aufgebracht und bilden eine dünne Luftschicht zwischen Folie und Fensterscheibe. Damit wird nicht nur der Wärmeverlust der Innenräume gesenkt, sondern auch der Bildung von Kondenswasser und Luftzug entgegengewirkt. Die Isolierfolie kann je nach Fenster- und Glastyp die Energie- und Heizkosten um bis zu 30 Prozent senken. Und es gibt noch einen weiteren Trick mit dem sich der Energieverlust über die Fenster minimieren lässt: Der richtige Einsatz von Vorhängen. Diese sollten möglichst dick sein und nachts so zugezogen werden, dass sie die Fenster, jedoch nicht die Heizkörper abdecken.

Die Alternative: Wer über Rollläden verfügt, der lässt diese nach Einbruch der Dunkelheit einfach herunter, so dass kein Spalt mehr zwischen den Lamellen zu sehen ist und so die Kälte ausgesperrt wird. Außerdem sollte man stets darauf achten, dass keine Möbel direkt vor den Heizkörpern stehen, denn diese saugen die Wärme regelrecht auf und hemmen die Luftzirkulation. Zu guter Letzt kann man die Fenster mittels einer Wärmebild-Kamera auf Wärmeverluste untersuchen und die undichten Stellen zwischen Fenster und Wand mit Dichtungsbändern und Bürstendichtungen aus dem Baumarkt eigenhändig schließen. Eine Wärmebild-Kamera kann man sich für wenig Geld online mieten.

6. Heizung optimieren

Der Klassiker der Energiespartipps: Wird die Heizung nicht mehr richtig warm und fängt an zu gluckern, dann stimmt der Wasserdruck nicht mehr und die Heizkörper müssen schleunigst entlüftet werden. Ansonsten arbeitet die Heizung nicht mehr effektiv. Zum richtigen Entlüften benötigt man als Werkzeug lediglich einen Vierkant-Schlüssel zum Aufschrauben der Dichtung und ein Gefäß, um das Heizungswasser aufzufangen. Sind die Heizkörper in Nischen angebracht, lohnt es sich auch diese zu dämmen, denn es wird jede Menge Wärme über die Wände nach draußen geleitet. Dämmstoffplatten werden dabei lückenlos zwischen Wand und Heizkörper geklebt.

7. Einstieg ins Smart Home

Experten sind sich einig: Das Smart Home ist das Zuhause der Zukunft. Mit Smart-Home-Systemen kann man bei Heizung und Strom bis zu 30 Prozent Energie einsparen. Die intelligente Haussteuerung stellt einen bedarfsgerechten Verbrauch sicher und macht das Energiesparen äußerst einfach. So kann man mit smarten Thermostaten für jedes Zimmer die Heizperiode und -Temperatur individuell programmieren und bequem per App steuern. Der Vorteil: Die Vernetzung mittels Funktechnologie lässt sich ohne größere bauliche Eingriffe auch nachträglich installieren. Somit werden die Kosten geringgehalten. Mit einem Funksystem auf Basis der KNX-Technologie lassen sich Haus und Wohnung vergleichsweise günstig zum Smart Home aufrüsten und einzelne Zimmer zu einem späteren Zeitpunkt problemlos nachrüsten.

Wer tagsüber außer Haus ist, kann dann die Heizkörper so einstellen, dass sie sich zu bestimmten Zeiten automatisch herunterregeln. Und wer sich dann doch früher auf den Heimweg begibt, der kann mit einem Druck aufs Smartphone von unterwegs den Heizkörper aufdrehen. Auch der Stromverbrauch kann mit Smart-Home-Lösungen erheblich reduziert werden. Eine App zeigt einem an, ob man tatsächlich alle Geräte ausgeschaltet hat. Falls nicht, kann man auch das von unterwegs nachholen.

Außerdem lassen sich alle nicht mehr benötigten Elektrogeräte mit einem Klick auf den Wandtaster ausschalten und mehrere Lichtquellen auf einmal dimmen, so dass nur dort Licht brennt, wo es wirklich gebraucht wird. Für verschiedene Alltagssituationen, ob Leseabend oder Abendessen mit Gästen, lässt sich die gesamte Lichtsteuerung vorprogrammieren. Auch Jalousien, die sich bei Sonnenschein automatisch schließen und so Energiekosten senken oder Gadgets, welche den Wasserverbrauch kontrollieren gehören zu den typischen Smart-Home-Anwendungen.

8. Umweltbewusst im Alltag agieren

Wer mit statt ohne Deckel kocht, der kann über 70 Prozent Energie einsparen. Wer an kalten Tagen zur Kuscheldecke greift statt sofort die Heizung bis zum Anschlag aufzudrehen, der spart pro Grad niedrigerer Raumtemperatur über 5 Prozent Wärmenergie ein. Auch wer bei längerer Abwesenheit den Warmwasserspeicher ganz abschaltet schont Umwelt und Geldbeutel. Kurz: Wer die richtige Einstellung an den Tag legt, der wohnt energieeffizienter und kostengünstiger.

Ein nachhaltiger Umgang mit Energie und natürlichen Ressourcen wird immer wichtiger. Viele Berufe in diesem Bereich haben Zukunft. Wer sich für eine Ausbildung in dieser Branche interessiert, findet hier weitere Informationen.