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BREITBANDAUSBAU IN DEUTSCHLAND:
WIE IST DER AKTUELLE STAND?

Mit High-Speed durchs Internet surfen, dieses Versprechen wird Haushalten und gewerblichen Kunden seitens der Provider an jeder Ecke gemacht. 50 Mbit pro Sekunde sind, im Vergleich zur Situation vor 10 Jahren, eine deutliche Verbesserung. Beim Thema Breitband hinkt Deutschland anderen Ländern immer noch deutlich hinterher.

Wie stark die Bundesrepublik im internationalen Vergleich zurückliegt, wird beispielsweise an statistischen Erhebungen zum Anteil der Unternehmen mit Breitbandanschluss deutlich. Laut einem Bericht des IT-Magazins heise.de lag 2016 deren Anteil in Deutschland mit 38 Prozent knapp über dem europäischen Durchschnitt.

Dänemark als Spitzenreiter erreicht in der Statistik allerdings einen Anteil von mehr als zwei Drittel und schlägt Deutschland beim Thema schnelles Internet damit bei weitem. Selbst Schweden oder die Niederlande kommen im europäischen Vergleich der Breitbandverbindung besser weg. Das Problem: Eine schnelle Internetverbindung ist heute kein Luxus zum Streamen von Audio- oder Videodateien. Viele Unternehmen arbeiten auf eine zunehmende Digitalisierung ihrer Prozesse hin und sind daher auf hohe Übertragungsraten angewiesen. Beispiel: Ein Software-Unternehmen spielt täglich ein Back-Up von mehreren Gigabyte auf einen Cloudserver ein. Bei niedriger Bandbreite ein Stunden andauernder Prozess.

Breitband-Internet - was bedeutet das eigentlich?

Der Begriff Breitband wird im Alltag an vielen Stellen benutzt. Nur selten geht es darum, eine Definition abzuliefern, mit der auch Laien etwas anfangen können. Ein Grund für die teils mangelhafte Begriffserklärung ist einfach der Tatsache geschuldet, dass zurzeit keine allgemeingültige Standarddefinition existiert.

So erfasst beispielsweise das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) in den Mitteilungen zum Breitbandausbau (Breitbandatlas Deutschland) Bandbreiten von weniger als 1 Mbit je Sekunde bis mehr als 50 Mbit/s. In den USA hat die Federal Communications Commission (FCC) den Begriff 2015 etwas ausführlicher definiert. Ein Breitbandanschluss bringt demnach:

  • einen Downstream von 25 Mbit/s
  • einen Upstream von 3 Mbit/s

mit. Diese Unterschiede in der Definition machen eines deutlich: Breitband ist nicht gleich Breitband. Wie wird eine schnelle Internetverbindung heute realisiert? Verbraucher können zwei unterschiedliche Ansätze nutzen:

  • kabelgebundene Anschlusssysteme
  • mobile Datenübertragung

Mobiles Internet: Technik fürs High-Speed Surfen

Spätestens mit den ersten Smartphones im Jahr 2007 hat die Entwicklung des mobilen Internets Fahrt aufgenommen. Mussten in den Anfangsjahren überschaubare Datenmengen verkehren, wird heute ein erhebliches Datenvolumen nur durch die mobile Kommunikation erzeugt. Laut Statistischem Bundesamt nutzen 81 Prozent inzwischen mobile Endgeräte, also mehr als vier Fünftel der Internetnutzer. Wie sehen die Übertragungsstandards aus?

  • GPRS: Die Abkürzung steht für General Packet Radio Service. Der Standard zur paketorientierten Übertragung von Daten hat sich zu Beginn der 2000er Jahre in der Kommunikation mit Handys etabliert. Die Übertragungsgeschwindigkeit liegt bei 53,6 kbit/s im Downstream, was mit den heutigen Verbindungen nicht mehr zu vergleichen ist. GPRS basiert auf dem GSM-Netz.
  • EDGE: Vielen Anwendern durch den Buchstaben E im Display des Smartphones bekannt, gilt EDGE als echte Datenbremse. Übertragen werden im Download bis zu 256 kbit/s. Wie GPRS basiert auch EDGE auf dem GSM-Netz. Die Abkürzung steht für Enhanced Data Rates for GSM Evolution. Die Netzumstellung erfolgte in Deutschland in den Jahren 2006 bis 2009.
  • UMTS: Universal Mobile Telecommunications System kennen viele Nutzer als 3G. Hierbei handelt es sich um den ersten Standard in der mobilen Datenübertragung, mit dem sich auch größere Datenmengen recht zügig bewältigen ließen. Möglich sind bis zu 384 kbit/s.
  • HSPA: Die Erweiterung von UMTS erlaubt den Versand von Daten endlich im Mbit-Bereich. Mit HSPA (H) sind im Downstream bis zu 7,2 Mbit/s möglich.
  • HSPA+: Dieser Ausbau des HSPA Standards führte nach 2011 zu einem erheblichen Ansteigen der Übertragungsraten im Bereich des mobilen Internets. Inzwischen sind hier bis zu 42 Mbit/s praktisch möglich. Technisch sollte HSPA+ (High Speed Packet Access) im Downstream noch deutliche Leistungsreserven haben.
  • LTE: Beim Thema High-Speed Internet geht es inzwischen meistens um LTE. Dieser Standard hat zwar inzwischen bereits einen Nachfolger. Letzterer ist aber erst in der jüngsten Vergangenheit an den Start gegangen. Mit LTE sind bis zu 300 Mbit/s Download möglich. LTE Advanced soll bis zu 1 Gbit ermöglichen.

Standards für mobile Datenübertragung und deren Übertragungsgeschwindigkeit
Standards für mobile Datenübertragung und deren Übertragungsgeschwindigkeit

Breitband: Glasfaser vs. DSL

Im Bereich der hausgebundenen Anschlüsse konkurrieren heute im Wesentlichen zwei Ansätze: das Telefonnetz und Kabelfernsehnetze. Besonders im Zusammenhang mit dem Ausbau und der technischen Entwicklung gilt die bisher genutzte Variante, einfach Frequenzen alter Kupferleitungen für den Hausanschluss zu verwenden, als Nachteil. Hintergrund: Im Vergleich zum Glasfaser ist das Potenzial der Kupferleitung begrenzt, was sich auf die Übertragungsraten auswirkt.

Auf der anderen Seite ist der Hausanschluss mittels Glasfaserkabel mit einem sehr hohen Investitionsaufwand, von durchschnittlich 2.400 Euro pro Haushalt, verbunden. Neben vierstelligen Mbit-Raten bringt diese Investition allerdings auch noch weitere Vorteile mit sich.

Ähnlich hohe Übertragungsraten lassen sich mit den Kabelfernsehnetzen realisieren. Diese haben bereits vor 2010 in Ballungszentren zweistellige Mbit-Raten erreicht. Inzwischen kann mit Hilfe neuer Standards durch das Kabelnetz eine Übertragung im Gbit-Bereich realisiert werden.

Breitband-Internet in Deutschland - ein Statusbericht

Das Thema Breitband ist in erster Linie eine Verteilungsproblematik. In Ballungszentren ist die Infrastruktur inzwischen gut ausgebaut. Wird für eine Bewertung der aktuellen Situation der Breitbandatlas des BMVI herangezogen, ist in Deutschland eine Versorgung mit bis zu 2 Mbit je Sekunde flächendeckend möglich.

Sobald allerdings Übertragungsraten ab 6 Mbit als Maßstab angelegt werden, bekommt die Deutschlandkarte erste Flecken. Regionen in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und im Schwarzwald hängen hier zurück. Diese Schere zwischen Ballungszonen und dem ländlichen Raum geht bei höheren Bandbreiten immer weiter auseinander. Für 30 Mbit/s liegt der städtische Ausbau bei 94 Prozent, auf dem Land bei 55 Prozent.

Strategien und Ziele für die Zukunft

Die letzte Bundesregierung hat ein klares Ziel vorgegeben: Bis 2018 soll jeder Haushalt 50 Mbit pro Sekunde erhalten. Angesichts der aktuellen Abdeckung in vielen Regionen fällt es schwer, an das Erreichen dieser Marke zu glauben. Kritisiert wird nicht nur die Tatsache, dass sich die Regierung auf ein konkretes Bitraten-Ziel festgelegt hat. Experten kommt der technologische Fortschritt zu kurz, da nichts Neues geschaffen, sondern altes „optimiert“ wird. Ein Punkt, der immer wieder kritisiert wird.

Fazit: Noch viel Arbeit beim Breitbandausbau

Der Ausbau der Datennetze hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Inzwischen sind Haushalte in Deutschland mit bis zu 2 Mbit pro Sekunde zu einem großen Teil erreichbar. Für moderne Anwendungen wie Streaming ist dies jedoch oft unzureichend. Höhere Datenraten sind allerdings nach wie vor problematisch, obwohl 50 Mbit für 2018 das Ziel sind. Ob diese Marke bis zum Zielzeitpunkt geschafft wird, bleibt abzuwarten. Neue Impulse erhoffen sich Unternehmen und Experten durch eine möglicherweise entstehende Jamaika-Koalition. Denn zwei der Beteiligten haben sich einen nachhaltigen Ausbau der Netze auf die Fahnen geschrieben. Es geht hierbei klar um Glasfasernetze, die auf lange Sicht deutlich leistungsfähiger sind als die heute noch in Gebrauch befindlichen Kupferleitungen.