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Berlin – Wo Wohnen immer teurer wird

Berlin, die Großstadt, in der man auch als Geringverdiener gut leben kann, das war in vielen Ecken einmal. Auch bei uns schießen die Kosten durch die Decke. Doch in welchen Arealen sieht es denn am schlimmsten aus und was kann man tun?

Berlins explodierte Pflaster

Hoch immer, runter nimmer – mit diesem simplen Reim könnte man die Immobilienlage Berlins schön kompakt zusammenfassen. Die 2015 unter großem Beifall eingeführte Mietpreisbremse wirkt nur wie müder Spott, wenn man sich ansieht, was der IVD – der Bundesverband der Immobilienwirtschaft – in seiner brandaktuellen Studie zusammengestellt hat. In der Kurzfassung sieht das ziemlich düster aus:

  • Mieten in Standardlagen, Steigerung gegenüber dem Vorjahr auf 8,50€/m² bzw. um 6,3%
  • Mieten in Vorzugslagen, Steigerung auf 10,00€/m² bzw. um 5,2%
  • Höchste Steigerung in den einst günstigen Randlagen Spandaus um 11% auf 7,75€/m²
  • Höchste Steigerung in einfachen bis mittleren Lagen in Reinickendorf bzw. Treptow-Köpenick um etwa 10% auf 8,25€/m².

Salopp gesagt also eine echte Klatsche ins Gesicht aller Normal- und Geringverdiener, die sich in Berlin ansiedeln wollen oder innerhalb der Stadt gezwungenermaßen umziehen müssen. Grundewald, Heinersdorf, da liegt der Durchschnitt schon heute über 14 Euro. Und selbst in Kreuzberg wird bereits regelmäßig die 13-Euro-Marke geknackt.

Berlins günstigere Ecken

Auch wenn die oben genannten Steigerungen auf den ersten Blick krass wirken: Berlin ist groß. Und so gibt es auch noch einige wenige Ecken, in denen die Mieten durchschnittlich noch nicht so hoch sind. Dankenswerterweise hat sich der Berliner Mieterverein die Mühe gemacht, das in einem Verzeichnis bis hinunter zu den einzelnen Straßen festzuhalten. Auf die Bezirke umgelegt, sieht das folgendermaßen aus. So empfehlen sich nach wie vor:

  • Buch (Pankow)
  • Haselhorst (Spandau)
  • Karow (Weißensee)
  • Kaulsdorf (Hellersdorf)
  • Lichtenrade (Tempelhof)
  • Lübars (Reinickendorf)
  • Marienfelde (Tempelhof)
  • Neu-Hohenschönhausen
  • Rudow (Neukölln)

Woran liegt’s?

Berlin will sozial sein und auch der rot-rot-grüne Senat feuert ein Maßnahmenpaket nach dem nächsten heraus, um der Lage Herr zu werden. Doch das Problem daran ist: Die Maßnahmen sind ungefähr so effektiv, als wollte man an der Nordsee mit einem Besen die hereinbrechende Flut zurückhalten. Und so abwegig ist dieser Vergleich gar nicht. Denn allein zwischen 2010 und 2016 zogen gut und gerne 300.000 Menschen in die Stadt – das zeigt ein Blick in die Karten der Stadtväter. Und in den kommenden Jahren wird diese Menschenflut nicht abebben.

300.000 Menschen. Um das mal bildlich zu machen: In sechs Jahren ist also praktisch die gesamte Bevölkerung von

  • Bonn
  • Karlsruhe
  • Mannheim
  • Münster oder
  • Bielefeld

nach Berlin umgezogen. Gleichsam stieg aber der Bestand an Wohnungsgebäuden im gleichen Zeitraum nur von 310.600 auf 322.600. Und an dieser Stelle tritt – allen modernisierenden und gentrifizierenden Vermietern zum Trotze – das ganz normale Schema von Angebot und Nachfrage in Kraft: Immer mehr Menschen kämpfen regelrecht um (nominell) immer weniger Wohnungen. Da ist in einer freien Marktwirtschaft klar, dass die Preise klettern.

Was kann man tun?

Stellt sich natürlich die Frage, was man selbst noch tun kann, um nicht von der Preisflut weggespült zu werden wie ein abgefallenes Ahornblatt von der Straßenreinigung. In der Kurzfassung leider nicht viel, denn als Einzelner hat man in einer so großen Stadt keinerlei Chancen, etwas Substanzielles zu tun. Wirklich an der Wurzel die Sache angehen kann nur der Senat – doch wie gerade das Beispiel Mietpreisbremse zeigt: Was der macht, ist oft bemerkenswert wirkungslos. Doch das bedeutet nicht, dass man nicht dennoch kleine Chancen hätte:

1) Vorbildmieter sein. Klar, man muss sich nichts gefallen lassen, aber wenn man in einer guten Wohnung wohnt, will man das ja auch möglichst weiterhin tun. Aber es ist eben so, dass ein Vermieter nur sehr wenige Handhabe hat, um einen aus dem Haus zu werfen. Einer davon ist Vertragsbrüchigkeit. Ergo zahlt man seine Miete künftig überpünktlich, hält sich buchstabengetreu an die Hausordnung und stört den Hausfrieden nicht. Ist vielleicht nicht rebellisch, aber hilft ungemein.

2) Energiesparer werden. Oftmals steigen Mieten, weil die Verbräuche der Hausbewohner durch die Decke gehen – hier haben Vermieter ein gewisses Anpassungsrecht. Doch sieht der Vermieter, dass man sich wirklich Mühe gibt, Wasser, Strom und Heizung (in vernünftigem Maß) spart, bleibt man vielleicht verschont.

3) Finanzlage verbessern. Die meisten Vermieter fordern eine Selbstauskunft bei der Schufa. Problem daran: Normalerweise müssen negative Einträge zwar nach drei Jahren gelöscht werden, oft „vergisst“ die Schufa das aber auch – für Betroffene kommt das aufs Gleiche raus, man bekommt eine, vielleicht traumhaft günstige, Wohnung nicht. Deshalb: Die Belege von Rückzahlungen aufbewahren und nach Ablauf checken, ob der Eintrag wirklich gelöscht wurde, dann klappt’s auch mit dem Vermieter.

4) Arbeitsumfeld ändern. Die meisten Berliner schauen bei der Lage nicht nur nach dem Preis, sondern auch dem Abstand zum Arbeitsplatz. Klar könnte man weiter weg ziehen, doch schaut man sich mal an, dass mehr als 50% der Berliner Arbeitnehmer im Büro arbeiten, kann man den Spieß auch umdrehen und versuchen, wenigstens teilweise ins Home-Office zu wechseln. Damit macht man sich freier von Fahrtdistanzen und kann überall dort hingehen, wo die billigen Wohnungen sind.

5) Kleiner denken. Die Größe bestimmt den Preis. Und natürlich können sich beispielsweise Familien mit Kindern kaum wirkungsvoll verkleinern, ohne dass die Lebensqualität leidet. Aber was ist denn mit den 1,15 (statistischen) Millionen glücklichen (oder unglücklichen) Singles der Stadt? Braucht man als Angehöriger dieser Gruppe wirklich eine Dreizimmerbude oder könnte man sich mit sinnvollem Ausmisten auch in zwei Zimmern ausleben? Es ist halt so: Je weniger Quadratmeter, desto geringer die Gesamtmiete.

Fazit

Berlin wird immer voller, die Mieten steigen und als Einzelner hat man nur wenige Möglichkeiten, dagegen etwas zu tun. Das klingt gemein, ist aber leider eine Tatsache, die sich kaum ändern lässt, ohne das gesamte politische System umzukrempeln. Da hilft nur: entsprechend wählen, sparsamer leben und die digitalisierten Möglichkeiten der Arbeitswelt voll auszuschöpfen. Denn hey: Wegziehen is ja wohl keene Option, wa?!

Bildquellen:

1) Pixabay.com © reginaspics

2) Pixabay.com © LoggaWiggler