Tim Bendzko - "Wenn Worte meine Sprache wären"
CD-Check

Tim Bendzko - "Wenn Worte meine Sprache wären"

Um 180 Grad drehen. Eine Kehrtwendung machen. Sich komplett anders orientieren, als die eigene Umwelt es erwartet. Klingt nach einer Person, die sehr sprunghaft zu sein scheint. Auch der Berliner Sänger Tim Bendzko wirkte in seinem Leben oft orientierungslos. Dagegen klingen seine Songs eher nach einem jungen Mann, der sich endlich am Ziel angekommen sieht. Tim hat sich seinen größten Traum erfüllt und sein erstes Album aufgenommen. „Wenn Worte meine Sprache wären“ heißt das Debüt des 26- Jährigen.

Das bisherige Leben von Tim Bendzko ist voll von 180 Grad Drehungen. Aufgewachsen im Berliner Osten, wurde er im jungen Alter schnell als Fußballtalent entdeckt. Er landete auf einem Sportgymnasium und trainierte recht vielversprechend für den 1. FC Union Berlin. Doch anstatt sich um eine astreine Karriere im Fußball zu kümmern, machte Tim Bendzko nach einiger Zeit das komplette Gegenteil. Musik war für Tim bis dahin nur eine heimliche Leidenschaft. „Mir wurde immer klarer, dass das Fußballspielen nichts für mich ist und dass ich dringend Musik machen muss und ich war mir immer noch sicher, dass das dann alle ganz toll finden werden. Deshalb habe ich angefangen Gitarre zu lernen.“ Doch bis die ersten richtigen Lieder entstanden, sollten noch weitere Jahre vergehen. Wieder machte Tim das, was niemand von ihm erwartet hatte. Er studierte evangelische Theologie und nichtchristliche Religionen. „Eigentlich war das mehr ein Philosophiestudium und ich wollte irgendetwas finden, womit ich die Unordnung in meinem Kopf bekämpfen konnte. Um Gott oder um Religion ging es dabei zu keiner Zeit“, stellt er klar, „Es ging auch hier letztendlich um nichts, als um Musik.“ Durch sein Studium fing der Berliner an erste tiefgreifende Texte zu schreiben und spielte sie live vor Publikum in Berliner Kneipen. Doch zum Leben reichte die Musik noch lange nicht. Sein Geld verdiente er sich wieder ganz untypisch. Ein Freund bot ihm einen Job als Aushilfe in einer Firma an, die Autos versteigerte und Tim stieg innerhalb kürzester Zeit zum Auktionator auf. Doch nach einer Zeit konzentrierte sich der Berliner Lockenkopf wieder mehr und mehr auf seine Musikerkarriere. Mit Erfolg. Tim nahm an einem lokalen Musikwettbewerb teil, gewann und durfte im Sommer 2009 in der Berliner Waldbühne auftreten. Unter den 20.000 Zuschauern war auch ein Mitarbeiter seiner jetzigen Plattenfirma Columbia, der das Talent des charismatischen Lockenkopfs sofort entdeckte und ihn unter Vertrag nahm.

 

© Alexander Gnädinger
Tim Bendzko

Mit „Wenn Worte meine Sprache wären“ gibt es jetzt das Debütalbum von Tim Bendzko. Die Texte auf der Platte sind voll mit Gedanken und Geschichten, die mit viel Bedacht ausgewählt worden sind und eine Tiefgründigkeit besitzen, die man so in der deutschsprachigen Musiklandschaft selten findet. „Auf dem ganzen Album geht es darum, die richtigen Worte für mich zu finden und irgendwas zu sagen.“, sagt Tim im BB RADIO Interview. „Da passt der Titel des Albums ganz gut.“ So singt er im Opener „Auf den ersten Blick“ von einem Mann, der extrem von sich selbst überzeugt ist und von seiner Umwelt auch so wahr genommen wird. Doch im Grunde ist sein Leben eine Suche nach seinem eigenen Ich. Tim Bendzko hat was zu erzählen und trotz aller Ernsthaftigkeit hat er auch kleine Witze mit eingebaut, die mit einem Augenzwinkern verstanden werden sollen. Wir haben zumindest innerhalb von wenigen Sekunden Gefallen gefunden an der Erzählweise des Berliner Sängers. Ab und an erinnern uns die Texte sogar an den Stil von Xavier Naidoo. Besonders deutlich wird das in den Songs „Ich laufe“ und „Es kommt zurück“. Sein Sound klingt nach einer Mischung aus Soul und Singer-Songwriter-Pop. Also irgendwo zwischen der Musik von Clueso und Pohlmann, aufgepeppt mit dem Charme des 26-jährigen Sängers.

 

„Wenn Worte meine Sprache wären“ ist ein erstaunliches Debütalbum mit zwölf Songs, die sofort ins Ohr gehen. Dass sich Tim Bendzko in seinem Leben öfter mal um 180 Grad gedreht hat, hat sich für sein Album auf jeden Fall gelohnt. Wahrscheinlich ist dadurch erst diese charmante Tiefgründigkeit entstanden.

 

 

Anspieltipps:
"Nur noch kurz die Welt retten":die erste Singleauskopplung besticht durch einen witzigen Text über den Trend, die Arbeit wichtiger zu nehmen als sein privates Umfeld. Dank des Einsatzes von Akustikgitarre und Cellos gewinnt der Song extrem an Charme
"Das letzte Mal":einer der wenigen melancholischen Songs auf dem Album. Ohne großen Kitsch, zeigt hier Tim Bendzko, dass man auch als Mann über alte verflossene Liebe gefühlvoll singen kann
"Wenn Worte meine Sprache wären":das Thema Sprachlosigkeit in einen 3:30 Minuten langen Song zu packen und den mit so vielen tollen Worten zu füllen, ist ein absolutes Kunststück. Tim Bendzko ist das bestens gelungen und er hat dazu eine Melodie komponiert, die sofort im Ohr bleibt

 

Und so bewertet H. Müller aus Berlin die CD:
Ich habe die CD von den ersten Tönen an genossen! Es ist die Mischung von Wort und Stimme mit Musik. Wer Texte von Entäuschung und Wiederaufstehen mag, ist bei Tim sehr gut aufgehoben. Man kann Joe Cocker und seine Konzertbesucher zu diesem Support nur beglückwünschen!
Anspieltip: "Schall & Rauch"

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