Geben Sie doch mal im Internet als Suchbegriff „Ke$ha“ ein: „Ke$ha steht auf dicke, haarige Männer“, „Ke$ha kotzt in Paris Hiltons Kleiderschrank“, „Ke$ha hatte was mit Mädchen“, „Shootingstar Ke$ha pinkelt ins Waschbecken“, „Ke$ha bricht bei Prince ein“ – das sind die mehr oder weniger seltsamen Schlagzeilen, die Sie dann als Ergebnis bekommen können. Richtig positiv liest sich das nicht wirklich. Irgendwie ist das aber auch kein Wunder bei diesem unkonventionellen Lebenslauf. Laut Plattenfirma kommt Kesha Rose Sebert 1987 auf einer Party im San Fernando Valley in Los Angeles zur Welt. Ihre Kindheit verbringt sie allerdings in der Country-Metropole Nashville und lebt dort mit ihrer Mutter von Sozialhilfe und Essensmarken. Mit 17 bricht Kesha kurzentschlossen die Schule ab, um zurück in L.A. eine Musik-Karriere zu starten. Und auch dabei geht Kesha ihren ganz eigenen eher ungewöhnlichen Weg. Sie setzt sich in den Kopf, dass ihr erstes Album von Superstar Prince („Purple Rain“) produziert werden soll. Sie findet seine Adresse heraus, fährt zu seinem Anwesen, besticht den Gärtner mit fünf Dollar und klettert unter dem Eingangstor durch. Sie findet eine offene Nebentür und fährt mit einem Fahrstuhl in den dritten Stock. Dort findet sie Prince höchstpersönlich bei Proben mit seiner Band, heißt es zumindest in der Legende der Plattenfirma. "Es war ziemlich seltsam, aber egal, oder?", erinnert sich Ke$ha. "Also setzte ich mich auf einen lila Thron und wartete darauf, dass er mich bemerkte, was er schließlich auch tat. Er meinte 'Wie zur Hölle bist du hier rein gekommen?'", erzählt sie lachend. "Sein Sicherheitspersonal hat mich dann raus geworfen, aber vorher konnte ich ihm noch meine Demo-CD da lassen, die ich mit einer lila Schleife umwickelt hatte." Prince hat sich nie wieder bei der verrückten Blondine gemeldet. Sie selbst aber lernt den amerikanische Produzenten Dr. Luke (Kelly Clarkson, Avril Lavigne, Pink) kennen. "Ich war auf der Suche nach einer Sängerin mit einer unglaublichen, unverkennbaren Stimme und einem ganz eigenen Stil", sagt Luke. "Kesha klang nicht wie alle anderen." Er bringt sie mit dem amerikanischen Musiker Flo Rida zusammen. Mit „Right Round“ entsteht sein bislang größter und ihr erster Hit (inzwischen hat sie sich einen Künstlernamen zugelegt, indem sie das „s“ in ihrem Vornamen durch ein „$“-Zeichen ersetzt – also „Ke$ha“). Erstmals bekommt sie einen Eindruck, wie es sich anfühlt, an der Spitze internationaler Charts zu stehen (u.a. Platz 1 in den U.S.A. und England). Im Frühjahr 2009 geht sie dann „solo“ ins Studio, um ihr Debütalbum „Animal“ aufzunehmen. Das steht jetzt in den Plattenläden.
Der Start ins neue Jahrzehnt ist der Frau mit dem Gören-Image wirklich ganz wunderbar gelungen: Ke$has Debüt-Single „Tik Tok“ schoss wie eine Rakete in zahlreichen Charts auf der ganzen Welt in Richtung Pole-Position. In Amerika stieg sie mit Single und Album direkt auf den ersten Platz ein, was vor ihr erst 11 anderen Künstlern gelang. Das alles ist kein Zufall, sitzt doch mit Dr. Luke und seinem Freund und Top-Produzenten Max Martin (Britney Spears, Backstreet Boys, Bon Jovi) ein extrem erfahrenes Team an den Mischpulten. Ke$ha hat persönlich an allen 15 Songs des Albums mit geschrieben. Entsprechend rotzfrech sind die Texte der Elektro-Pop-Titel. Dem Esquire-Magazin erklärte sie dazu: „Normalerweise gehe ich aus, habe eine wahnsinnige Nacht, komme halb-betrunken nach Hause, herumstolpernd, und schreibe ein paar Zeilen.“ Das viele Feiern scheint der Sängerin wirklich nicht zu schaden. Ganz im Gegenteil, die Welt hat auf eine wie Ke$ha gewartet - eine mit einer großen Klappe und trotzdem was im Kopf. Bestes Beispiel für die geballte Ehrlichkeit in ihren Texten ist der Song „Party At A Rich Dudes House“. Darin gibt die Sängerin ungeniert zu, sich bei einer Party bei Hotelerbin Paris Hilton in deren Kleiderschrank übergeben zu haben. Wer jetzt meint „so was zuzugeben schade einem doch“, irrt gewaltig. Denn mit diesem musikalischen Geständnis schaffte es Ke$ha sofort wieder in die Schlagzeilen und arbeitet damit weiter an ihrem „Böses-Mädchen-Image“. Das bringt ihr offensichtlich die Art von Aufmerksamkeit, nach der sie sich zu sehnen scheint. Zurückhaltung und Feingefühl sind aber keine Fremdwörter für Ke$ha. In „Backstabber“ ('Verräter') gibt sie keinen Namen preis. Dabei geht es in dem Lied um ein Mädchen, von dem sie mehrmals verraten wurde und das nicht viel Wahres über sie erzählt hatte. Der Song beginnt sehr rhythmisch und entwickelt sich zu einer schönen Pop-Nummer. „Hungover“ dagegen ist eine Ballade, in der Ke$has Stimme im Gegensatz zu den meisten anderen Songs nicht mit irgendwelchen Effekten abgemischt ist. Hören Sie da lieber auf die Musik, denn der Text macht das schöne Gefühl irgendwie wieder kaputt (es geht hauptsächlich um Party machen und Saufen). „Blah Blah Blah“ ist eine coole Nummer, die total im Kopf hängen bleibt. Ke$ha hat hier übrigens mit der amerikanischen Elektro-Band 3OH!3 zusammengearbeitet. Im Song geht es um „einfach mal die Klappe halten und genießen“, aber auch Sex, Alkohol und Party spielen wieder eine große Rolle.
Überhaupt ist Ke$has Debüt „Animal“ ein Spaß-Album mit vielen tanzbaren Songs und einer Sängerin, die auch in ihrer Musik so auftritt wie in der Presse: rotzfrech mit einer großen Klappe. Dass ihr das irgendwann auch mal zum Verhängnis werden könnte, ist ihr schon jetzt bewusst : „Ich hab immer noch Spaß damit, auch wenn ich gemerkt habe, dass man sehr aufpassen muss, was man erzählt. Natürlich gibt es Leute, die einen für den Erfolg hassen, doch die sind mir egal“. Wir wünschen Ke$ha auf jeden Fall eine „steile“ Karriere!
Anspieltipps:
„Tik Tok“: coole Partynummer und erste Single der Sängerin, die schon bei Britney Spears und Paris Hilton als Background-Sängerin mitgewirkt hat.
„Your Love Is My Drug“: ist der erste Song des Albums macht gleich Lust auf mehr: eingängige rockige Dance-Beats und melodiöser Gesang - das ist genau die Mischung, die das Album so unverwechselbar machen.
„Dancing With Tears In My Eyes“ - der Song ist alles andere als eine Party-Nummer, Ke$ha wirkt fast schon traurig, als ob sie mit Tränen in den Augen tanzen würde. (übrigens: der Song ist ein Original und nicht zu verwechseln mit dem 80er Hit von Ultravox!!!)
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